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Kanon

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Kanon-Roman!

Eine der emotionalsten Szenen von Episode VIII – Die letzten Jedi findet gleich zu Beginn des Films statt: Selbstlos opfern sich die Crew-Mitglieder der Kobalt-Staffel, um dem verzweifelten Widerstand die Flucht vor der Ersten Ordnung zu ermöglichen. Paige Tico ist es schließlich, die in einem dramatischen Akt die Bomben noch an Bord des Schiffes zündet und in ihren letzten Momenten ein Amulett umklammert. Erst später erfahren wir, dass das Pendant dazu ihrer Schwester Rose gehört, die während der Schlacht als Ingenieurin auf Holdos Kreuzer stationiert war. Doch wie gelangten die Tico-Geschwistern in die Dienste des Widerstandes und was geschah in der kurzen Zeit zwischen der Zerstörung der Starkiller-Basis und der Schlacht um D'Qar? Diese Fragen soll der Jugendroman Die Kobalt-Staffel von Elizabeth Wein beantworten, der von der letzten Mission der Kobalt-Staffel erzählt.

Die Handlung

EM-1919

Paige im Geschützturm des Bombers

Das Buch beginnt wenige Wochen vor der Schlacht um die Starkiller-Basis: Die Erste Ordnung übernimmt schrittweise die Kontrolle über entlegene Sternsysteme und beutet sie systematisch aus, um ihre Kriegsmaschinerie weiter aufzurüsten. Da die Neue Republik sich weigert militärisch aktiv zu werden, liegt es am Widerstand unter der Führung von Leia Organa, Hinweisen auf Verbrechen der Ersten Ordnung nachzugehen und betroffenen Welten zu helfen. Auf einer solchen Aufklärungsmission befinden sich die Geschwister Tico, als sie plötzlich ins Geschehen hineingezogen werden: Einem jungen Piloten ist es gelungen, mitsamt seiner Großmutter, der Anführerin einer lokalen Rebellenzelle, aus dem abgeriegelten Atterra-System zu fliehen. Die beiden bitten Leia um dringend benötigte Lebensmittel, da ihre Bevölkerung zu verdursten droht. Rose und Paige, die sich durch das Schicksal der Atterraner an ihre eigene Vergangenheit erinnert fühlen, melden sich freiwillig für die geplanten Hilfsmissionen der Kobalt-Staffel und denken sich einen wagemutigen Plan aus, um der Aufmerksamkeit der patrouillierenden TIE-Jäger zu entgehen. Doch währenddessen droht der Kalte Krieg zu eskalieren und ihre Gegner scheinen jegliche Skrupel verloren zu haben...

Das Buch ist aus der Sicht von Rose Tico geschrieben, sodass die Handlung und das Repertoire der Akteure stark beschränkt sind. Neben den Schwestern sind das im Wesentlichen also die anderen Piloten der Kobalt-Staffel und der Junge von Attera, Reeve Panzoro. Gegen Ende hat auch Holdo noch einen kurzen Auftritt, um den Bogen zum Beginn von Die letzten Jedi zu spannen. Recht viel Außergewöhnliches passiert in dem Buch jedenfalls nicht, es lässt sich grob in die drei Teile Kennenlernen der Panzoros, Überprüfung deren Hinweise und wiederholte Versorgungsflüge nach Attera untergliedern. Bis auf die Tatsache, dass sie erklären, wieso die Kobalt-Staffel nicht an der Schlacht um die Starkiller-Basis teilgenommen hat, werden sie für den Kanon auch vermutlich nicht weiter relevant sein, sondern sollen stellvertretend für die ganze Galaxis den verdeckten Kampf des Widerstandes symbolisieren. Der Schwerpunkt des Buches liegt folglich auf der Charakterbildung.

Die Geschwister Tico

Rose

Rose Tico

Wirklich begeistert war ich von Rose bereits im Film nicht, obwohl ich die Schauspielerin in den Interviews sehr sympathisch fand. Auf der Leinwand wirkte sie jedoch auf mich oftmals fehl am Platz (womöglich beabsichtigt) und ich fand ihr Verhältnis zu Finn seltsam. Dieser Eindruck hat sich in „Die Kobalt-Staffel“ leider verstärkt. Man weiß, glaube ich, nicht genau, wie alt sie sein soll (mindestens zwanzig?), aber in dem Buch wirkt sie so schrecklich naiv und unbeholfen, dass sie mehr dermaßen auf die Nerven ging. Möglicherweise ist dies dem Schreibstil der Autorin und der Einordnung als Jugendroman geschuldet, wobei Ken Liu gezeigt hat, dass es auch anders geht. Ein wichtiger Punkt in dem Buch ist das doppelte Medaillon: Die Hintergründe werden relativ schnell erzählt und dann viel zu oft wiederholt. Ebenfalls hervorgehoben wird Rose' Talent für technische Spielereien, namentlich einen wundersamen Energiedämpfer, der Schiffe für andere auf Scannern unsichtbar machen kann. Da fragt man sich schon, wieso diese Technologie im Film nicht mehr zum Einsatz gekommen ist.

Wein ist sehr bemüht, über die zweihundertfünfzig Seiten Fabel-artig eine Lehre zu vermitteln, nämlich, dass es unendlich tapfer ist, eine andere Person gehen zu lassen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Dafür muss sie Rose natürlich den Großteil des Buches so abhängig von ihrer großen Schwester darstellen, dass es etwas ganz Besonderes ist, wenn sie sich schließlich halbwegs emanzipiert. Dadurch erschließt sich auch die Notwendigkeit von Reeve, der mit seiner Großmutter in einer ähnlichen Konstellation ist und Rose dadurch vorleben kann, wie sie sich zu entwickeln hat. Lustigerweise verspottet sie ihn aber zunächst noch, obwohl er charakterlich ihr Spiegelbild ist. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich ihre Beziehung zu Paige, die gewissermaßen eine Mutterrolle innehat: Sie wirkt einfach nicht authentisch. Ich kann es nicht genau benennen, aber wer selbst Geschwister hat, weiß, dass so viel Harmonie und Schwärmerei für den anderen normalerweise in dem Alter nicht mehr realistisch sind.

Die Autorin

Elizabeth Wein ist eine britisch-amerikanische Jugendbuch-Autorin, die ihr erstes „Buch“ bereits mit sieben Jahren schrieb. Nach dem Tod ihrer Mutter durch einen schweren Autounfall suchte sie Trost in Fantasy-Büchern, die sie animierten, auch selbst wieder schriftstellerisch tätig zu werden. Als sie auf die Artus-Sagen stieß, entwickelte sie eine Geschichte, die später die Grundlage ihres ersten verlegten Romans werden sollte. Dieser spielte im frühmittelalterlichen Königreich von Aksum, dem heutigen Äthiopien, und schilderte ihre Interpretation der Legenden um Mordred. Ihrem Ehemann hat sie ihre Leidenschaft fürs Fliegen zu verdanken, die sich in ihrer prämierten Trilogie über die Freundschaft zweier Pilotinnen während des Zweiten Weltkrieges widerspiegelt. Mehr zu ihren Werken findet ihr hier.

Fazit

Weins Jugendroman „Die Kobalt-Staffel“ hatte — ähnlich wie „Captain Phasma“ — im Wesentlichen zwei Aufgaben: Auf Episode VIII – Die letzten Jedi hinzuführen und Einblicke in die Ursprünge und Charaktereigenschaften von Rose Tico zu gewähren. Beides ist irgendwie gelungen — der „Star-Wars-Aspekt“ wird jedoch deutlich von dem Disney-typischen pädagogischen Mehrwert überschattet. Für mündige Leser würde ich daher eher von der Anschaffung abraten, für Eltern von Grundschulkindern stellt das Buch jedoch bestimmt eine ausgezeichnete Gute-Nacht-Geschichte dar ;-)

Erwähnen möchte ich noch, dass das Werk mehrere Illustrationen von Phil Noto beinhaltet. Diese sind zwar eine nette Idee, wirken aber aufgrund der Schwarz-Weiß-Koloration relativ grob und schemenhaft. Es werden keine Schlüsselszenen dargestellt und sie sind zu spärlich vorhanden, um dem Leser etwas zu nutzen.

Die Kobalt-Staffel-Cover

Deutsches Cover


Bewerte „Die Kobalt-Staffel“ in Punkten:
 
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Die Umfrage wurde am 14. März 2018 um 20:00 erstellt. Bisher haben 3 Nutzer abgestimmt.
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