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Kanon

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Kanon-Comic!

„Beim Codeknacken gibt es keine helle oder dunkle Seite. Es gibt nur meine und deine Seite. Und ich bin der einzige auf meiner Seite. Mehr brauche ich zum Glück nicht.“
— DJs Philosophie (Quelle)
DJ

Wenigstens sind seine Eltern nicht für den Namens-Fail verantwortlich...

Verwirrung — dieses Gefühl beschreibt wohl am besten, was ich während und nach dem Lesen dieses Comics empfunden habe. Doch bevor ich näher auf den Inhalt eingehe, muss ich zuvor die offensichtliche Frage stellen: Wer dachte bitte, dass es eine gute Idee wäre, diese Figur „DJ“ zu nennen? Falls der Name eine Metapher auf das Codeknacken sein soll, ergibt sich mir die Verbindung nicht so ganz, und auch die Erklärung über sein Motto „Don't join“ finde ich sehr weit hergeholt. Immerhin geben uns diese zwei Worte aber schon mal einen guten Eindruck von seinen Lebensweisheiten: DJ ist ein hartgesottener Einzelkämpfer. Er hat keine richtigen Freunde, ist kein Anhänger einer übergeordneten Gruppierung und denkt in erster Linie an sich. Man mag das innovativ oder abwechslungsreich finden und ihn sogar als den „interessanteren Lando“ bezeichnen — für mich macht ihn das aber zusammen mit Rose, die mit ihrer andauernden Gutmütigkeit (je nach Sicht) das absolute Gegenteil bzw. sein Pendant darstellt, zur unsympathischsten und langweiligsten Figur des neuen Films. War ich überrascht, dass er eine eigene Comic-Geschichte bekommen hat? Nein, nicht wirklich, man ist diese One-Shots von Marvel inzwischen ja gewohnt, ebenso wie die Tatsache, dass die Lucasfilm Story Group eher die Filme bis zum Gehtnichtmehr ausschlachtet, bevor sie in unbekannte, spannendere Gefilde vordringt. Kann ich im Nachhinein verstehen warum? Nein, absolut nicht. Und ihr werdet gleich sehen, wieso.

Die Story

Normalerweise stehen in diesem Abschnitt eine knappe Beschreibung und Bewertung der Handlung, bloß dieses Mal habe ich einfach keine Ahnung, was passiert ist. Ich habe mich sogar auf die Suche nach einer Online-Zusammenfassung gemacht, um einen Sinn in diese dreißig Seiten zu bringen, bin aber nicht fündig geworden. Daher folgt nun fragmentarisch, was ich mitgenommen habe:

  • DJ ist ein Säufer. Das konnte ich aus dem Gestottere in den Sprechblasen, seinem dümmlichen Gesichtsausdruck (no offense, Benicio del Toro) und den vollen Gläsern in seiner Hand schließen. Gut, wenn ich seine Lebenseinstellung hätte, wäre ich das vermutlich auch.
  • Er betrügt die Casinos im „21“-Style. Daher sind ziemlich viele Leute hinter ihm her.
  • Die Casinos in Cantonica verstehen sich weder untereinander noch mit den Polizeikräften. DJ nutzt das aus, wenn er in eine missliche Lage gerät und hält sich am Leben, indem er seine Feinde wetteifern lässt, wer ihn in die Finger kriegen darf.
  • Heilige sind keine Heilige und jeder ist moralisch verwerflich, daher haben alle es verdient, von ihm ausgenommen zu werden, denn er ist wenigstens „ehrlich“. Dieser Kerl sollte wirklich eine Philosophen-Schule gründen, immerhin könnte er sie als den „DJ'ismus“ oder die „DJ-Theorie“ vermarkten.
  • Ein weiteres zentrales Handlungselement scheint ein Verbrecherboss zu sein, der nicht existiert, aber irgendwie schon. Und natürlich gibt es ein Anagramm.
  • Podracing ist nicht ausgestorben, sondern nach wie vor beliebt. Wieso gibt es dann überhaupt Fathier-Rennen auf Canto Bight?
  • Viele Schläger, Gangster und Matrix-Typen mit dunklen Brillen.

Worin bis auf die Figur und den Schauplatz der Zusammenhang zu Die letzten Jedi besteht? Keine Ahnung. Wirklich Neues erfährt man über (den) DJ jedenfalls nicht. Der Comic endet halt damit, dass er in die Zelle geschmissen wird, aus der er später mit Rose und Finn entkommen wird. Wer mir die Story genauer erklären will, darf dies jedenfalls gerne in den Kommentaren tun.

Artwork

Club Vertica-Casino

Casino auf Nar Shaddaa in SWTOR

Auch von den Illustrationen bin ich ziemlich enttäuscht. Die Figuren wirken alle lieblos gezeichnet und gerade die Objekte im Hintergrund sind nur noch unverfeinerte Konturen. Die fehlenden Details sind schade, denn laut Autoren-Interview wurde eigentlich sogar ein eigenes Kartenspiel komplett ausgearbeitet, was zeigt, dass man sich schon viele Gedanken gemacht hat. Immerhin haben mir die Casino-Szenen mit den holographischen Kartendecks einen SWTOR-Vibe gegeben. Zumindest DJs Gesicht wurde gut getroffen, sowohl sein Aussehen mit dem Drei-Tage-Bart als auch seine Ausdrücke. Insgesamt wird sehr viel der Geschichte über die Dialoge und die Narration DJs erzählt. Die Schlüsselszenen kommen in den Bildern vermutlich gar nicht vor, was mein Verständnisdefizit erklären könnte.

Ein weiteres Interview mit einem der Autoren könnt ihr hier lesen.

Fazit

Alles in allem bleibt also ein Comic mit einer verwirrenden Handlung, einer unliebsamen Hauptperson und unzufriedenstellenden Bildern zurück. Damit das Konzept eines lesenswerten Comics über DJ funktioniert hätte, hätte man sich weiter von Episode 8 weg wagen müssen. Was den Kauf angeht, kann ich daher nur raten: „Don't join“!

DJ – Meistgesucht

Cover von Star Wars #33

  • Der Comic-One-Shot DJ: Meistgesucht wurde von Ben Acker und Ben Blacker geschrieben sowie von Kev Walker gezeichnet. Er wurde in den USA Ende Januar 2018 bei Marvel Comics veröffentlicht und umfasst etwa 30 Seiten.
  • In Deutschland ist die Geschichte bei Panini Comics im Star-Wars-Comic-Magazin 33 seit 18. April 2018 erhältlich. (Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!)
Bewerte „DJ: Meistgesucht“ in Punkten:
 
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Die Umfrage wurde am 19. Mai 2018 um 21:30 erstellt. Bisher haben 6 Nutzer abgestimmt.

Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich auf eure Meinung zum Comic in den Kommentaren!

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