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Kanon

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Kanon-Roman!

Ein Chiss-Großadmiral, ein strategisches und taktisches Genie. Ein Sith-Lord, gnadenlos und mächtig im Umgang mit der Macht.

Die Frage, was passiert, wenn man diese beiden Persönlichkeiten auf eine gemeinsame Mission schickt, ist das Herzstück von Allianzen, dem zweiten Band der neuen (kanonischen) Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn. Gleichzeitig erhält der Leser auch einen ersten Blick auf den abgelegenen Planeten Batuu, Schauplatz des Disney/Star-Wars-Themenparks „Galaxy's Edge“, der im Sommer eröffnet werden wird.

Eine Frage der Loyalitäten

Das Buch beginnt damit, dass Thrawn und Darth Vader vom Imperator herbeizitiert werden. Er teilt ihnen mit, dass er auf Batuu eine Erschütterung der Macht gespürt habe und entsendet die beiden auf eine gemeinsame Mission dorthin — mit dem Hintergedanken, Thrawns Loyalität zum Imperium zu testen sowie Vader mit seiner Jedi-Vergangenheit zu konfrontieren. Knapp zwanzig Jahre zuvor, noch zu Klonkriegszeiten, sind sich die beiden nämlich auf Batuu das erste Mal begegnet. Damals ist der Jedi Anakin Skywalker auf der Suche nach seiner verschollenen Frau Padmé Amidala gewesen und hat ungebetene Unterstützung von dem seltsamen Chiss-Kundschafter erhalten. Die Handlung besteht folglich aus zwei parallelen Handlungssträngen, die geschickt miteinander verwoben sind. Im chronologisch früheren stolpern die beiden über eine Separatisten-Verschwörung, während sie versuchen, die gefangene Padmé zu retten, während sie im späteren auf eine fremde Bedrohung aus den Unbekannten Regionen stoßen und feststellen müssen, dass bei ihrer ersten Mission nicht alles so gewesen ist, wie es schien. Und dann ist da natürlich noch Thrawns brillanter Verstand, der in dem mysteriösen Sith-Lord seltsame Gemeinsamkeiten mit dem für tot erklärten Jedi aus den Klonkriegen erkennt…

Zwei starke Persönlichkeiten

Thrawn Anakin

Die Protagonisten

Das Buch lebt natürlich hauptsächlich vom Zusammenspiel der beiden Protagonisten. Da man kaum etwas über Thrawns Gefühle und Motive erfährt, sondern höchstens Einblick in seine Analysen gewährt wird, hängt der Erfolg ihrer literarischen Beziehung davon ab, ob die Transition von Anakin Skywalker zu Darth Vader glaubhaft dargestellt wird. Auf den ersten Blick ist das dem Autor nur bedingt gelungen. „Beide“ Skywalkers sind in erster Linie genervt von Thrawns Geheimniskrämerei, blindlings loyal gegenüber ihrer jeweiligen „Vertrauensperson“ (einmal Padmé, einmal Palpatine) und sture Einzelkämpfer. Der feine Unterschied ist, dass Vader bekanntermaßen eine wesentlich niedrigere Toleranzgrenze hat gegenüber Personen, die ihn nerven. Thrawn weiß, dass er, solange er dem Imperator nützlich ist, vor Vaders Wutanfällen geschützt ist, doch als der Sith-Krieger berechtigte Gründe erhält, Thrawns Loyalitäten gegenüber dem Imperium anzuzweifeln, wird es für den Chiss brenzlig und er muss sich Vaders Vertrauen erkämpfen. Da die eigentliche Handlung relativ monoton ist, führt dieses Element zu Spannung und man fragt sich wiederholt, ob Thrawn mit dieser oder jener Aktion endgültig die Grenze überschritten hat. Der Autor wechselt bei diesen Szenen oftmals raffiniert zur Erzählperspektive von Kommodore Faro, Thrawns Erster Offizierin, oder Kimmund, Vaders Sturmtruppenkommandant, die diese Machtkämpfe als Außenstehende wahrnehmen und nicht Thrawns Schutz vor Vader genießen, sodass ihre Leben auf dem Spiel stehen. Aber „der Klügere gibt nach“, wie es so schön heißt, und da das in diesem Fall eindeutig Thrawn ist, ist er derjenige, der letztendlich eher bereit ist Kompromisse einzugehen, um die Mission nicht zu gefährden. Auch sprachlich werden die unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden herausgearbeitet, so werden Thrawns Analysen „in Echtzeit“ beschrieben, während Skywalkers/Vaders Macht-Fähigkeiten durch die „Doppelsicht“ dargestellt werden. Anfangs sind diese Einschübe etwas irritierend, aber man gewöhnt sich daran.

Eine Bedrohung von außerhalb

Die „Bedrohung von außerhalb“, der Thrawn und Vader nachgehen sollen, ist natürlich — soviel darf ich bestimmt verraten — eine fremde, kriegerische Alien-Spezies. Das erinnert an die Handlung des ebenfalls von Timothy Zahn geschriebenen Legends-Roman Die Kundschafter, in dem Sidious das erste Mal mit Thrawn und den berüchtigten Yuuzhan Vong konfrontiert wird, die eine Invasion der Galaxis planen, und sich das Nutzen der/s Chiss zunutze machen will, um sie zu besiegen. Durch die Re-Kanonisierung dieser Spezies unter einem anderen Namen wurde die Möglichkeit geschaffen, neben der Republik/Imperium/Erste Ordnung und den Separatisten/Rebellen-Allianz/Widerstand zur Abwechslung eine „dritte Partei“ einzuführen, mit der sich wie im Legends-Universum künftige Medien beschäftigen könnten. Gerade in Hinblick auf Band 3 hätten Chiss und Imperium somit einen gemeinsamen Feind und Thrawns endgültige Entscheidung bezüglich seiner Loyalität könnte dadurch dahinstehen. Bis jetzt empfinde ich die Invasoren jedoch noch nicht als große Bedrohung; da ist noch viel Luft nach oben.

Vergangenheit und Zukunft

„Allianzen“ ist ganz anders aufgebaut als sein Vorgänger: Während letzterer an eine Biografie erinnerte und viele Jahre abdeckte, beschränkt sich die erzählte Zeit von ersterem auf wenige Tage je Handlungsstrang und ähnelt eher einem typischen Roman. Die einzelnen Zeitebenen sind nicht deutlich voneinander abgegrenzt, was zwar für nahtlose Übergänge sorgt, aber andererseits eine erhöhte Konzentration beim Leser fordert. Von den Protagonisten von Band 1 wurde eigentlich nur Thrawn übernommen (Eli Vanto und Gouverneurin Pryce werden höchstens am Rande erwähnt) und auch handlungstechnisch steht Band 2 für sich und knüpft noch eher an die dritte Rebels-Staffel als an Band 1 an. So hat TIE-Jäger-Pilot Vult Skerris eine Nebenrolle, wobei das kanonisch betrachtet eher nachteilig ist, da er sich im Buch wesentlich professioneller als in der Serie verhält. Gerade Eli muss man jedoch nicht wirklich missen, da seine „Dr. Watson“-Funktion auf Faro übergegangen ist, sodass Thrawn weiterhin einen eifrigen Zuhörer für seine „Sherlock“-Momente hat. Er wird wohl aber in Band 3 zurückkehren.

Padmé Batuu

Padmé auf Batuu

Interessanterweise sah Zahns Konzept ursprünglich vor, dass Anakin auf der Suche nach Ahsoka Tano und nicht Padmé sein sollte. Das hätte sicherlich dazu führen können, dass Anakins Charakter noch tiefgründiger dargestellt wird, aber die Story Group hat wohl ihr Veto eingelegt. Ganz ohne Rückgriffe auf The Clone Wars musste das Buch dann aber doch nicht auskommen, denn die Idee zu einem bestimmten Rüstungs-Typ, dem Anakin, Thrawn und Padmé begegnen, stammt aus einer unfertigen Folge. In dem Roman probiert Vader mit Thrawns Anleitung auch eine „neue“ Macht-Fähigkeit aus, die sicherlich in Zukunft noch wichtig werden wird. Generell scheinen die Chiss über sehr unkonventionelles Wissen bezüglich der Macht zu verfügen.

Alles in allem ist Thrawn – Allianzen solide — sowohl als Star-Wars-Roman als auch als Thrawn-Buch. Im Vergleich zu Band 1 fehlt es aber an Originalität und auch die Spannung leidet darunter, dass der Ausgang des Buches aufgrund seines Settings vorhersehbar ist. Leider wird Band 3 anscheinend auch vor dem Rebels-Finale angesiedelt sein. Es bleibt zu hoffen, dass Zahn irgendwann noch die Möglichkeit erhält, ein Post-Rebels-Thrawn-Buch zu schreiben, in dem er sich dann wirklich kreativ austoben kann.

Thrawn Allianzen

Deutsches Cover

  • Thrawn – Allianzen wurde von Timothy Zahn geschrieben und erschien im Juli 2018 bei Del Rey in den USA.
  • Die Ebook-Ausgabe hat ca. 480 Seiten und wurde von Andreas Kasprzak übersetzt. Sie ist seit dem 18. März 2019 für 13 € (Preisempfehlung des Verlags) bei Blanvalet in Deutschland erhältlich.
  • Die Fortsetzung Thrawn – Verrat wird voraussichtlich Ende Juli 2019 in den USA und nächsten März hierzulande veröffentlicht werden. (Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!)


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Die Umfrage wurde am 1. Mai 2019 um 17:19 erstellt. Bisher haben 4 Nutzer abgestimmt.